Ein Standpunkt der Stiftung · ca. 4 Minuten Lesezeit
Die entscheidende Frage ist nicht nur, wie intelligent Maschinen werden.
Sie lautet auch: Wie kooperationsfähig werden wir Menschen? Wir müssen uns nicht auf ein Untergangsszenario einigen, um zu erkennen, dass wir Verantwortung nicht an den jeweils anderen weiterreichen können.
Am 23. September 2026 diskutierte der UN-Sicherheitsrat über KI und internationale Sicherheit; dabei forderten auch Dario Amodei und Sam Altman Zusammenarbeit beim Umgang mit den Chancen und Risiken der Technologie (Bericht der Vereinten Nationen).
Altman plädierte unter anderem für gemeinsame Sicherheitsstandards, den Austausch über Vorfälle und eine wirksame menschliche Aufsicht über zunehmend autonome Systeme (veröffentlichte Rede).
Für uns liegt darin ein Weckruf: Je mächtiger unsere Werkzeuge werden, desto wichtiger wird unsere Fähigkeit, gemeinsame Regeln und verlässliche Beziehungen zu schaffen. Die Positionen von KI-Unternehmen sind dabei wichtige Beiträge zur Debatte, aber kein Ersatz für unabhängige Forschung und demokratische Entscheidungen.
Wir sind zu gut im Gegeneinander.
Wettbewerb kann Innovation antreiben. Problematisch wird er dort, wo jeder nur den eigenen Vorsprung sichert und gemeinsame Risiken aus dem Blick geraten. Wer als Einziger langsamer wird, fürchtet zu verlieren. Wer als Einziger Verantwortung übernimmt, fürchtet den Nachteil.
Unsere Antwort ist nicht, Wettbewerb abzuschaffen. Sie ist, Kooperation dort zu organisieren, wo Konkurrenz allein keine tragfähige Lösung hervorbringt. Eine moderne Soziale Marktwirtschaft braucht beides: unternehmerische Freiheit und Verantwortung für das Ganze.
Kooperation ist kein Kuschelkurs.
Ein gutes Netzwerk ist nicht eines, in dem alle gleich denken. Es ist eines, in dem unterschiedliche Menschen trotzdem gemeinsam handeln können. Wie ein guter Berliner Kiez: laut, bunt und widersprüchlich. Aber wenn es darauf ankommt, kennt jemand die richtige Nummer.
Solche Beziehungen entstehen nicht durch einen wohlklingenden Appell. Sie brauchen Zeit, klare Spielregeln, Vertrauen und die Bereitschaft, Interessen offen auszuhandeln. Genau diese Fähigkeit wollen wir stärken.
Was das mit SDG 17 zu tun hat.
Wir verstehen Partnerschaften als Arbeitsweise, nicht als Schmuck am Ende einer Strategie. Unternehmen bringen Umsetzungskraft ein, Wissenschaft prüft Annahmen, Zivilgesellschaft formuliert Bedürfnisse und Politik setzt verbindliche Rahmen. Keine dieser Perspektiven reicht allein.
SDG 17 ersetzt keine KI-Regulierung, keine technische Sicherheitsforschung und keine demokratische Kontrolle. Aber die Fähigkeit, über Sektorengrenzen hinweg zusammenzuarbeiten, ist für uns eine Voraussetzung dafür, dass diese Instrumente ineinandergreifen.
Es beginnt nicht erst im Sicherheitsrat.
Unsere Stiftung reguliert keine globalen KI-Systeme. Wir arbeiten dort, wo wir handeln können: in Berlin. Wir verbinden wirtschaftliche Ressourcen mit gesellschaftlichen Aufgaben und schaffen Räume, in denen Menschen Zusammenarbeit praktisch lernen.
Das Unternehmensnetzwerk baut Beziehungen auf. Der BERLIN KODEX lädt zum Gespräch über gemeinsame Werte ein. CommUnits entwickelt einen Ansatz, der Leerstand, den Bedarf an bezahlbaren Bleiben und unternehmerisches Engagement zusammendenkt. Unterschiedliche Aufgaben, eine gemeinsame Haltung.
Freundlichkeit zu einer KI ist kein Sicherheitskonzept. Und gute Vernetzung ist keine Garantie für eine gute Zukunft. Aber eine Gesellschaft, die Vertrauen, Widerspruch und gemeinsame Verantwortung übt, schafft bessere Voraussetzungen, ihre Zukunft selbst zu gestalten.
Nicht weniger Fortschritt. Mehr gemeinsame Verantwortung.
Kein Kampf. Ein Netzwerk.



